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Ein Kommentar

Messe-Engagement mit zusätzlicher Dimension

Von Bianka Boock

Messen sind für viele Unternehmen wichtige Ereignisse, die intensiv vorbereitet werden. Doch die aufwändigste Arbeit kann ihr Potenzial nicht voll entfalten, wenn Social Media unberücksichtigt bleiben. In ihnen liegen viele Chancen. Sie können beispielsweise dazu beitragen, schon vor der Messe Kontakte zu knüpfen, zu pflegen und Aufmerksamkeit auf den Stand sowie auf Aktionen zu lenken. Sie sorgen für zusätzliche Sichtbarkeit während und nach der Veranstaltung und ermöglichen einen Austausch – dauerhaft. Für den Erfolg reicht es allerdings nicht, einen Twitter-Account oder eine Facebook-Seite anzulegen und „darauf loszuposten“, vielleicht sogar noch isoliert. Wer von Social Media profitieren möchte, muss vieles beachten. Folgendes Zehn-Punkte-Programm kann als Anhaltspunkt dienen:

1. Einholen eines Mandats:
Am Anfang steht das Mandat. Wer als Mitarbeiter über sein Unternehmen oder gar in dessen Namen posten und seinen Job nicht riskieren möchte, sollte vorher fragen. Wie steht die Firma zu Aktivitäten in Social Networks? Hat die Unternehmensführung erlaubt, über das Unternehmen zu posten? Wenn ja, wem und in welchem Umfang? Existieren Guidelines, die zu berücksichtigen sind?

2. Beachten der Business- und Kommunikationsziele:
Die Unternehmensziele stehen im Vordergrund. Alle Social-Media-Aktivitäten müssen zu den übergeordneten Zielen passen und sollten diese unterstützen.

3. Erarbeiten der konkreten Aufgabenstellung:
Bei der Erarbeitung der Aufgabenstellung spielen nicht nur die Unternehmensziele eine Rolle. Auch die Situation der Kunden (Anforderungen, Wünsche etc.) sollte berücksichtigt werden, ebenso die eigene Position. Was wird (on- und offline) über das Unternehmen, die Produkte und Leistungen gesagt? Wie sieht die Lage im Vergleich zum Wettbewerber aus? Welche Stärken und welche Schwachstellen gibt es? Aus diesen Punkten ergibt sich die Zielsetzung automatisch. So kann eine Aufgabe darin bestehen, ein schlechtes Produkt und darüber die Reputation zu verbessern.

4. Beachten der bestehenden Kommunikation:
Wer in Social Media aktiv werden will, hat länger Freude, wenn er die Spielregeln beachtet. Er muss wissen, welche Zielgruppe er erreichen möchte, wo diese sich bewegt und wie diese agiert. Dazu gilt es die Eigenheiten der Netzwerke zu kennen. Es kommen nicht nur Klassiker wie Twitter, Facebook, Xing, LinkedIn und Google+ in Frage, sondern auch YouTube, Foursquare, Blogs und Foren. LinkedIn, Xing und Google+ können beispielsweise genutzt werden, um aktuelle Studien und Themen zu posten, zu kommentieren und dadurch Kompetenz zu demonstrieren. Blogs eignen sich für eigene Beiträge. Twitter ist prädestiniert für kurze News. So kann während einer Messe unter Verwendung spezieller Hashtags „live“ vom Ort des Geschehens berichtet werden. Wer hier hingegen alte Informationen anbietet, setzt seine Reputation aufs Spiel. Location Based Services bieten die Möglichkeit, den Messestand als Ort anzulegen und Besucher – unter dem Anreiz von Boni – einchecken zu lassen. Dadurch kann das Unternehmen bereits vor einem Gespräch erfahren, wer sich gerade am Stand befindet.

Informationen drängen nach Vernetzung. So kann die Möglichkeit des Eincheckens via Foursquare – und der damit verbundene Bonus – über Twitter, Facebook und durchaus auch offline kommuniziert werden. Ein Tweet darf getrost auf einen Blog oder die eigene Website verlinken, die übrigens im Mittelpunkt der eigenen Aktivitäten im Web stehen sollte. Hier können sämtliche Aktivitäten in Social Networks gebündelt werden, beispielsweise in einem Newsroom. Somit erhält der User sofort einen Überblick darüber, wie er sich mit dem Unternehmen vernetzen kann.

Von der Website aus, aber auch aus Newslettern kann auf den Messeauftritt bzw. das Ausstellerverzeichnis verlinkt werden. Dadurch erhalten Fans und Follower nicht nur ausführlichere Informationen, sondern es können auch Backlinks auf den eigenen Internetauftritt generiert und die Sichtbarkeit des Unternehmens verbessert werden. Wenn es in das Kommunikationskonzept passt, lassen sich Angebote wie ein Presseservice nutzen, um ausgewählte Botschaften in Szene zu setzen. Pflegt die Messe Social-Media-Präsenzen, kann es sinnvoll sein, sich zu vernetzen und sich mit Beiträgen und Kommentaren einzubringen. Aber auch wenn das Engagement von Themen-Influencern ausgeht, lohnt eine Vernetzung.

5. Austüfteln einer Strategie:
Die Strategie beschreibt, wie die Aufgaben gelöst werden sollen. Wichtig dabei ist, Berührungspunkte zur Zielgruppe herauszuarbeiten und Mehrwerte für die Community zu schaffen. Diese können in Insider-Informationen oder Benefits bestehen. Eine gute Idee zeichnet sich dadurch aus, dass sie kanalneutral bespielbar ist, sich vom Wettbewerb abgrenzt, und auf alle Bereiche (HR, Marketing, Produktion, etc.) einzahlt. Sie hebt Stärken hervor und hilft Schwachstellen zu beseitigen. Ein Anwendungsfall bestünde darin, mittels Crowdsourcing ein schlechtes Produkt zu verbessern und die neue Version auf einer Messe erstmals zu präsentieren. Als Anreiz könnten alle Mitwirkenden – über die jeweiligen Networks – zu einer Standparty eingeladen werden. Ebenso gut ist es eine Option, eine Aktion wie einen Workshop zu organisieren, die zuvor im Internet angekündigt wird. Ein solches Event könnte auf Video aufgezeichnet, auf YouTube hochgeladen und anschließend in Social Networks diskutiert werden. Auf diese Weise bliebe das Unternehmen mit den Besuchern in Kontakt. Aktionen wie das Zur-Verfügung-Stellen von WLAN und Steckdosen für „mobil ausgerüstete Gäste“ kämen darüber hinaus gut an.

6. Beachten und Beschaffen der Ressourcen:
Ein Engagement in Social Media bedarf vielfältiger Ressourcen. Deshalb sollte sich ein Akteur vorher fragen, ob er über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten (Schreiben für Mensch und Maschine, Recht, Umgang mit User generated Content etc.) verfügt oder wer ihn unterstützen kann. Ist dieses Potenzial im eigenen Unternehmen vorhanden, soll es erlernt werden oder ein externer Dienstleister die Arbeit übernehmen? Und: Wie viel Zeit und welches finanzielle Budget stehen zur Verfügung?

7. Aufstellen eines Plans:
Im Rahmen der Planung sollten einzelne Prozesse beschrieben werden. Woher kommt der Content? Auf welche Weise wird er wie häufig beschafft? Hier können eigene Botschaften (wie Blogeinträge) genutzt, aber auch fremde, thematisch relevante Inhalte aus aufgegriffen werden, die der Redakteur oder Community Manager unter anderem via RSS abonnieren oder über Suchmaschinen aufspüren kann. Wichtig ist, ein regelmäßiges, nicht überforderndes Veröffentlichungsintervall und die Qualität der Beiträge sicherzustellen (zum Beispiel Überprüfung auf Richtigkeit und Aktualität). Denn niemand möchte mit veralteten Nachrichten zugeschüttet werden. Die einzelnen Schritte sollten in Redaktionsplänen und Social-Media-Guidelines festgehalten werden. Aber auch andere Prozesse wie für das Monitoring und eventuelle Schulungen müssen berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang empfiehlt es sich, die Verantwortlichkeiten zu definieren. Wer baut den Twitter-Account oder die Facebook-Seite auf? Und wer betreut das Profil? Wer kümmert sich in welchem zeitlichen Rahmen um das Monitoring und überhaupt erst einmal um dessen Konzeption?

Darüber hinaus muss die Planung die Hardware- und Softwarekomponenten beinhalten. Somit wird gewährleistet, dass die Beteiligten wissen, auf welche technischen Mittel sie bei welchen Arbeitsschritten zurückgreifen können. Bei der Planung ist zu berücksichtigen, dass für mobiles Arbeiten auf dem Smartphone oder Tablet PC oft Vorbereitungen zu treffen sind, damit beispielsweise ein Zugriff auf benötigte zusätzliche Informationen wie Kundendaten gesichert ist. Nicht jedes Dashboard funktioniert auf Smartphone & Co. und auch Websites werden auf diesen Geräten häufig „anders“ dargestellt. Die mobilen Geräte sollten so ausgestattet werden, dass mit ihnen öffentliches WLAN sicher genutzt werden kann. Außerdem nicht unerheblich: die Stromversorgung unterwegs.

8. An den Worst Case denken:
Längst nicht immer funktioniert alles wie ursprünglich gedacht. In Social Media lässt sich die Verbreitung von Informationen nicht kontrollieren. Unternehmen haben aber die Möglichkeit, vorzubeugen und mitzuagieren. Vorbeugen können Community Manager unter anderem mit ihrer Verhaltensweise. Während beispielsweise provozierende Beiträge großes Potenzial haben, kritische Reaktionen hervorzurufen, ist eine transparente, offene und deeskalierende Kommunikation zur Prävention und als Reaktion auf kritische Reaktionen geeignet. In diesem Zusammenhang sollte definiert werden, was ein kritischer Beitrag ist. Es ist hilfreich, mehrere Stufen festzulegen und Lösungsszenarien zu beschreiben. Dieser Krisenplan – inklusive Ansprechpartner und deren Kontaktdaten, die im Krisenfall unterstützend zur Verfügung stehen – sollte in den Social Media Guidelines festgehalten werden. Er spart im Ernstfall Zeit und gibt Sicherheit.

9. Das Geplante umsetzen:
Bei der Umsetzung sollte der Plan eingehalten werden, jedoch muss auch auf ausreichend Flexibilität geachtet werden. Dabei sollte ein ständiger Wissenstransfer zwischen allen Beteiligten erfolgen.

10. Den Erfolg kontrollieren:
Die Ergebnisse müssen in regelmäßigen zeitlichen Abständen anhand zuvor definierter Key Performance Indicators mit den Zielsetzungen verglichen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse können dann in eine Optimierung des Projektes fließen.


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Long time, no see!

Viel zu lange ist es schon wieder her, dass ich meinen Blog gefüttert habe. Long time, no see!

Es ist viel passiert in den letzten Monaten. Spannende neue Projekte, große Veränderungen durch die rasante Entwicklung der Social Media und berufliche Neuerungen haben meine Zeit beansprucht.

Der Trend Social Media hat sich zu einer festen Größe im Marketing-Mix entwickelt. Budgets und Strategien haben sich massiv verschoben. Das Online Marketing ist wichtiger und spannender als je zuvor. Inzwischen sind Social Media Strategien längst im Mittelstand und der B-to-B-Kommunikation angekommen. War es vor wenigen Monaten noch Kür im Orchester des Web 2.0 mitzuspielen, ist es inzwischen Pflicht geworden nachhaltige Strategien für einen echten Dialog mit Zielgruppen und dem Stakeholder-Umfeld zu entwickeln. Immensen Wandel verzeichnen wir noch immer im Bereich Mobile Marketing. Steigende Nutzerzahlen im Mobile Web und konstante Absatzzahlen von SmartPhones und Tablets erfordern ständige technische Weiterentwicklung und Anpassung der Kommunikationsstrategien. Ich persönlich finde Marketing-Kommunikation war noch nie so spannend und abwechslungsreich wie im Moment.

Ich hoffe, dass ich in den kommenden Wochen und Monaten wieder mehr Zeit finde über aktuelle Projekte und Marketing-Trends zu berichten. Auf jeden Fall verweisen möchte ich auf meinen Twitter-Account und mein Xing-Profil, auf denen stets die aktuellesten Informationen zu finden sind.

So long, good to see you!


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Short Course: Onlinerecht

Mitunter treiben die deutsche und europäische Rechtsprechung bizarre Stilblüten. Starre Rechtsformen und der Drang nach absoluter Kontrollierbarkeit und Haftung, verlangen teilweise aufwändige Formulierungen und Programmierungen.

Googeln Sie doch mal das „Urteil vom 12. Mai 1998“. Inzwischen weiß niemand mehr so genau, wer das Gerücht in Umlauf gebracht hat oder warum es so stark antizipiert wurde. Fakt ist, dass bei der Google-Suche rund 1,2 Millionen Treffer von Seiten mit dem Text aus der Urteilsverkündung auftauchen. Fast alles Seiten, die den Text als Disclaimer verwenden und sich dadurch pauschal aus der Verantwortung für Links nehmen wollen. Hintergrund ist die gesetzliche Auflage, Links auf externe Seiten und deren Inhalte zu kontrollieren. Angenommen wurde, dass der Urteilstext von jeglicher Verantwortung entbindet – ein Irrtum. Gesetzte Links müssen geprüft und im Zweifelsfall entfernt werden. Vor einer Haftung schützt auch der oben beschriebene Disclaimer nicht. Ausführlich informiert der entsprechende Disclaimer-Artikel auf Wikipedia.

Ein weiterer weit verbreiteter Irrtum herrscht beim sogenannte E-Mail-Disclaimer: „Diese E-Mail beinhaltet Informationen, die vertraulich oder nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sein könnten. Sollten Sie nicht der designierte Empfänger sein, ist das Lesen, Kopieren, Weiterleiten sowie anderweitiger Gebrauch des Inhalts dieser E-Mail untersagt. Sie werden gebeten, diese E-Mail unverzüglich zu löschen.“

„Völliger Quatsch“, sagt auch hier Dr. Hendrik Schöttle, Rechtsanwalt und Fachanwalt für IT-Recht bei der Kanzlei Osborne Clarke, München. „Ebenso könnte man schreiben, dass der Leser sich selbst oder seinen Computer sofort zerstören soll“, führt er weiter aus. Irrtümlich zu gestellte E-Mails sind übermittelte Nachrichten, die unverlangt, also ohne gegenseitige Willenserklärung, zugestellt wurden. Dem Empfänger steht es völlig frei die E-Mail zu löschen oder auszudrucken und dann in den Papierkorb zu werfen. Genau genommen könnte der Empfänger den Ausdruck auch an seine Pinnwand hängen.

Richtig hingegen ist, dass in geschäftliche E-Mails und Newsletter sowie auf der Website des Unternehmens alle wesentlichen Angaben zur Rechtsform, den Kontaktdaten und den vertretungsberechtigten natürlichen Personen gemacht werden müssen. Das wären im Beispiel einer GmbH:

  • Name der Gesellschaft
  • Sitz und postalische Adresse der Gesellschaft
  • Kontaktinformationen (Telefon, Fax, E-Mail)
  • Handelsregister und Nummer
  • Vertretungsberechtigte natürliche Personen (Geschäftsführer, Aufsichtsrat/Vorsitzender)

(Quellen: Google, Dr. Hendrik Schöttle)